Nach den Baustellen landete ich bei der Fenstermontage. Ehrliche Arbeit, ja – aber nicht meine. Ich machte den Job, weil ich musste, nicht weil ich wollte. Die Bezahlung war schwach, die Motivation gering, und in mir wuchs eine Unruhe, die ich nicht mehr loswurde.
Immer wieder dachte ich an den Computer. An die Webseiten, die ich inzwischen nebenbei baute. Ende der 90er war das etwas Besonderes. Wer eine Webseite erstellen konnte, war fast schon ein Exot. Ich wusste tief in mir: Das könnte mein Weg sein.
Doch meine Realität sah anders aus. Zum ersten Mal im Leben fühlte ich mich wirklich arm. Mein Auto, ein aufgemotzter 2er Golf, mein ganzer Stolz – er fraß 13 Liter auf 100 Kilometer. Irgendwann konnte ich mir den Sprit einfach nicht mehr leisten. Also musste ich ihn verkaufen. Zurück blieb eine Schrottkiste, bei der ich nie wusste, ob sie überhaupt anspringen würde. Manchmal musste ich hoffen, dass jemand in der Nähe war, um mich anzuschieben.
Ungefähr ein Jahr zog ich das so durch. Doch die innere Stimme wurde lauter: „So kann es nicht weitergehen." Ich sprach mit dem Betriebsrat. Ich vertraute ihm meine Pläne an. Dass ich raus aus der Firma musste, um eine Umschulung zu bekommen. Dass ich seit meinem zehnten Lebensjahr mit Computern arbeite. Dass ich Webseiten baue. Dass das meine Zukunft ist.
Er hielt Wort. Als es der Firma schlechter ging und Mitarbeiter gehen mussten, war ich dabei. Für die meisten war das ein Schlag. Für mich war es ein Befreiungsschlag.
So saß ich zum ersten Mal im Wartezimmer des Arbeitsamts. Das Arbeitsamt vertröstete mich. Papierkram, Wartezeiten, leere Versprechen. Ich saß zuhause, monatelang, über ein Jahr. Es fühlte sich an, als ob mein Leben auf „Pause" stand.
Und doch tat ich etwas: Ich programmierte weiter. Ich lernte, las Bücher, kaufte mir Zeitschriften. Ich vertiefte meine Kenntnisse. Während ich offiziell „arbeitslos" war, arbeitete ich in Wahrheit an meinem Fundament.
Irgendwann rutschte ich ins damalige Hartz-IV-System. 345 Euro im Monat. Für ein Leben, das keins war. Doch genau in dieser Phase kam der Anruf, der alles veränderte.