Der Anruf kam von einem Bekannten. Offiziell war es er, der mir den Job vermittelte – doch in Wahrheit hatten meine Eltern ihre Finger im Spiel. Also schalteten sie sich ein, sprachen mit Bekannten, und so landete ich dort.
Am nächsten Tag stand ich schon im Betrieb. Der Lohn war ordentlich. Die Arbeit war abwechslungsreich, weil ich als Springer überall eingesetzt wurde: Schweißen, Montieren, Maschinen bedienen. Etwa drei Jahre blieb ich dort.
Eines Tages stand ich mit einem Kollegen an der Presse. Unsere Arbeit war stumpf und eintönig: Blech rein in die Maschine, Knopf drücken, Blech umdrehen. Wieder Knopf drücken, Blech raus auf den Stapel. Stundenlang. Tage lang. Immer dasselbe.
Nach einer Weile fragte ich ihn: „Sag mal, kannst du dir vorstellen, das dein ganzes Leben lang zu machen?" Er sah mich an, als hätte ich etwas Unsinniges gesagt: „Mach weiter, stell nicht so blöde Fragen. Hauptsache, es ist Arbeit."
In diesem Moment wurde mir klar: Manche Menschen wollen nichts verändern. Und ebenso klar wurde mir: Ich will das nicht. Ich will mehr.
Hans war über 60 Jahre alt, kurz vor der Rente. Er erzählte mir oft von seiner Frau und ihrem Traum: eine Kreuzfahrt um die Welt. Mehr als zehn Jahre hatten sie gespart. 15.000 Euro. „Wenn ich in Rente bin", sagte er mit leuchtenden Augen, „dann geht's endlich los."
Hans ging in Rente. Wochen vergingen. Eines Tages fragte ich seinen Bruder: „Na, wie geht's Hans?" Sein Bruder wurde still. „Hans ist tot. Krebs. Vor zwei Wochen."
Alles, wofür Hans gelebt hatte, alles, wofür er gespart und geschuftet hatte – weg. Sein Traum starb mit ihm. In diesem Moment traf ich eine Entscheidung. Ich meldete mich am nächsten Tag krank. Als ich den Aufhebungsvertrag unterschrieb, war es, als würde ich eine unsichtbare Kette sprengen.
Das war mein Schnitt. Die erste Narbe, die mir zeigte: So wie Hans werde ich nicht enden. Es war der Beginn meiner Reise ins Unternehmertum.