Kapitel 1 · Eintrag 4

Geld, Gefahr und der Absturz

Schnelles Geld auf Baustellen, wo mit jedem Einsatz einer starb.

Nach der Bundeswehr kehrte ich zunächst in den Betrieb zurück, in dem ich gelernt hatte. Doch diesmal ging es hinaus auf die Baustellen, Raffinerien, Großanlagen, gefährliche Orte irgendwo in Deutschland.

Hier lockte das schnelle Geld. Man verdiente mehr als das Doppelte eines normalen Gesellenlohns. Für mich, jung und hungrig nach Freiheit, war das eine Verlockung, der ich nicht widerstehen konnte.

Doch jeder Euro hatte seinen Preis. Die Schichten waren brutal. Von 22 Uhr bis 7 Uhr morgens, Nacht für Nacht. Der Körper rebellierte, der Kopf war müde, die Augen brannten. Und über allem hing die Gefahr. Auf diesen Baustellen schien es fast ein Gesetz zu sein: Bei jedem Einsatz starb einer.

Ich erinnere mich an die erste Baustelle. Mitten in der Nacht, gab es im Baucontainer eine heiße Suppe. Anfangs war es ein Trost. Doch irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen. Jeden Tag immer Suppe, derselbe Geschmack von Blech und Gefahr im Mund.

Die Gefahr war keine Theorie. Sie war greifbar. Einmal fiel ein Schraubenschlüssel aus 60 Metern Höhe. Er durchschlug den Helm eines Arbeiters, als wäre er aus Papier. Er starb noch an Ort und Stelle. Ein anderes Mal stürzte ein Kollege ab, weil er sich nicht gesichert hatte. Wir redeten nicht viel darüber. Wir nahmen es hin – so, wie man Regen hinnimmt.

Damals konnte ich gar nicht so viel ausgeben, wie ich verdiente. Am Ende des Monats legte ich mehr als die Hälfte meines Lohns zurück. Für einen Moment fühlte es sich an wie Sicherheit.

Mein Kollege sagte mal zu mir: „Andreas – du bist noch jung, schau das du was anderes machst."

Als die ersten finanziellen Probleme auftauchten, war klar, wer als Erster gehen musste: die jungen, unverheirateten Männer. Menschen wie ich. Einfach austauschbar. Und so stand ich das erste Mal ohne Arbeit da.